Der Film: (30 min)

Verhaftet, verhört, vergangen, verdrängt.
In der Gedenkstätte Hohenschönhausen in Berlin erinnern heute Zeitzeugen an die Stasi-Methoden während der Untersuchungshaft. Ihre Erinnerungen sind vielfältig. Ihr Umgang mit der Vergangenheit ist individuell. Traumatisiert sind sie alle. Ihre Anklage gilt dem ehemaligen SED - Regime. Ehemalige Stasimitarbeiter hingegen leugnen, dass ihnen Unrecht widerfahren sei. Im Film stehen sich beide Seiten gegenüber. Ein Kampf um die Deutungshoheit des Vergangenen beginnt. Persönliche Erinnerungen zeigen jedoch, dass die Geschichte viele Facetten hat. Doch erst der Dialog zwischen Opfern und Tätern versucht zu verstehen, statt zu verurteilen.
Matthias Melster wollte die DDR verlassen. Wolfgang Warnke versuchte einem DDR-Bürger zur Republikflucht zu verhelfen. Klaus Schulz-Ladegast wurde der Spionage verdächtig. Sie alle wurden deswegen in der Zentralen Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Hohenschönhausen inhaftiert. Im Film sprechen sie aus heutiger Perspektive über diese Zeit, die sie alle nicht loslässt. Auch die ehemaligen Stasimitarbeiter wie der Untersuchungsführer Herbert Kierstein, der Gefängnisdirektor Siegfried Rataizik und der Ermittler Klaus Panster entkommen ihrer Vergangenheit nicht. Rataizik und Kierstein verteidigen ihr Handeln, Panstern hingegen zweifelt. Im Gespräch zwischen Schulz-Ladegast und seinem ehemaligen Ermittler Panster bekommen die Zweifel eine konkrete Gestalt.

 

Die Protagonisten:

Klaus Schulz-Ladegast geb. 1941, wurde 1961 im Alter von 20 Jahren verhaftet und kam in die Untersuchungshaftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen. Wegen »Spionage« wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt, die er in den Gefängnissen Rummelsburg, Waldheim und Torgau verbrachte. 1964 wurde er aus der Haft entlassen, 1967 flüchtete er in die Bundesrepublik. In West-Berlin arbeitete er über 20 Jahre für das Gesamtdeutsche Institut und informierte Besucher aus dem In- und Ausland über das Leben in der DDR. Von 2004 bis 2006 führte Klaus Schulz-Ladegast Besucher durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Nach seiner Zeit als Referent in Hohenschönhausen suchte er andere Möglichkeiten seine Vergangenheit aufzuarbeiten und wälzte seine Stasi- Akte. Hieraufhin unternahm er den Versuch mit seinen ehemaligen Vernehmern und dem Verantwortlichen für seine Verhaftung Kontakt aufzunehmen. Zu einem Gespräch kam es nur zwischen ihm und seinem Ermittler Dr. Klaus Panster, mit dem er sich bis heute regelmäßig trifft.

 

Dr. Klaus Panster war Mitarbeiter der Abteilung Aufklärung des MfS und für die Verhaftung von Klaus Schulz-Ladegast verantwortlich. Seine Auffassung bezüglich seiner Arbeit beim MfS: Die Methoden des MfS waren in der nachrichtendienstlichen Auseinandersetzung, also zur Abwehr professioneller Angriffe mit konspirativen Mitteln unverzichtbar und legitim, aber unvertretbar in der Anwendung z.B. gegen Übersiedlungsersuchende oder politisch Oppositionelle.

 

Siegfried Rataizik war von 1963 bis 1989 Leiter der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Berlin-Hohenschönhausen und Chef der zentralen Gefängnisverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Er ist sich keiner Schuld bewusst und vertritt die These nach damaligem Recht gehandelt zu haben. Auch heute ist er noch aktiv in Organisationen, welche die ehemaligen MfS Mitarbeiter im Bezug auf Rechtsklagen und Rentenansprüche vertreten.

 

Wolfgang Warnke wurde 1944 in Göttingen geboren und wuchs in Hannover auf. Der gelernte Einzelhandelskaufmann fasste 1974 den Entschluss, nach Berlin (West) umzusiedeln. Von da aus unternahm er Ausflüge in den Ostteil der Stadt. Er versuchte einen Bekannten über die bulgarisch-jugoslawische Grenze in den Westen zu schleusen. Die Fluchtaktion scheiterte, beide wurden im August 1975 an der Grenze nah der bulgarischen Stadt Blagoevgrad verhaftet. Zunächst in der Untersuchungshaftanstalt (UHA) der bulgarischen Polizei in Sofia inhaftiert, wurde Wolfgang Warnke schließlich in die DDR ausgeflogen und in die zentrale UHA des Staatssicherheitsdienstes nach Berlin-Hohenschönhausen gebracht. Das MfS warf ihm vor, in die kommerzielle Fluchthilfe verwickelt und Teil einer "kriminellen Menschenhändlerbande" zu sein. Nach vier Wochen in Berlin wurde er wieder nach Bulgarien zurück transportiert. Verurteilt zu einem Jahr und sechs Monaten, verbüßte er seine Haftstrafe im Zentralgefängnis Sofia. Nach seiner Entlassung kehrte Wolfgang Warnke 1976 nach Hannover und später nach Berlin zurück. Er arbeitete 20 Jahre als Technischer Leiter bei der Deutschen Krankenversicherung. Heute ist er Rentner und führt seit 2009 Besuchergruppen durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

 

Herbert Kierstein Mitarbeiter des MfS, 31 Jahre Untersuchungsführer im Bereich Spionagedelikte gegen die DDR. Der Diplomjurist Herbert Kierstein lebt bei Berlin. Er ist Autor zahlreicher Bücher, wie "Freischützen des Rechtsstaates - Wem nützen Stasiunterlagen und Gedenkstätten?". Er ist Mitglied des Insiderkomitees, das mit zahlreiche Publikationen und Veranstaltungen aktiv gegen die angeblichen Verleumdungen des MfS vorgeht.

 

Matthias Melster wurde 1966 in Ost-Berlin geboren. Obwohl er der Zweitbeste seiner Klasse war, durfte er in der DDR kein Abitur machen. Seinen Wunsch, Medizin zu studieren, konnte er deshalb nicht verwirklichen. Stattdessen machte er eine Ausbildung als Zahntechniker. Melster stellte schließlich einen Antrag auf Ausreise in die Bundesrepublik. Nach drei abgelehnten Ausreiseanträgen beschloss er im Frühjahr 1987, mit seiner Freundin Susanne über die Tschechoslowakei aus der DDR zu fliehen. Die Flucht misslang und beide wurden im April 1987 verhaftet. Nach 14-tägiger Haft in tschechischen Gefängnissen kam Melster in die zentrale Untersuchungshaftanstalt des MfS nach Berlin-Hohenschönhausen, wo er fünf Monate lang verhört wurde. Ein DDR-Gericht verurteilte den 21-jährigen wegen "ungesetzlichem Grenzübertritts" zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis. Seine Haft verbüßte Melster u.a. im Gefängnis in Karl-Marx-Stadt (Chemnitz). Anfang Dezember 1987 wurde er von der Bundesregierung freigekauft, doch erst im Februar 1988 konnte er die DDR verlassen. In West-Berlin holte er auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach und studierte an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften. Seit 1999 führt er Besuchergruppen durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

 

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